Vergangenen Samstag war es nun endlich soweit und das von mir – und wahrscheinlich einigen anderen Online-SympathisantInnen – freudig erwartete FashionCamp ging über die Bühne. Eine bessere Location als The Hub hätte man hierfür wohl kaum finden können, wartete dieses abgesehen von der perfekten Ausstattung doch ebenso mit einer unglaublich charmanten und verspielten Einrichtung auf.

Aber die dutzenden Bloggerinnen, Modeschaffenden und Modebegeisterten aus dem In- und Ausland hatten sich ja nicht nur zum Schaukeln versammelt, sondern zum gegenseitigen Kennenlernen, Diskutieren und Vorträgen lauschen.

Session 1: Copyright
Eingeleitet wurde der Tag von Susanne Liechtenecker (Eloquent) und Dr. Axel Anderl, seines Zeichens Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf IT-, Urheber-, Medien- sowie Markenrecht, welcher einen klaren Einblick darüber gab, was beim Publizieren im Internet zu beachten ist.

Das Internet ist kein Selbstbedienungsladen: Sämtliche Bilder unterliegen dem Urheberrecht und eine Nichtbeachtung desselben kann teuer werden beziehungsweise sogar eine Strafandrohung nach sich ziehen. Deswegen sollten vor Veröffentlichung sämtliche Bildrechte abgeklärt und optimalerweise schriftlich vorhanden sein – denn mündliche Übereinkunften können ja durchaus der Vergesslichkeit anheim fallen und lassen sich im Nachhinein schwer beweisen. Simple Verlinkungen auf die Quelle genügen leider nicht, auch wenn selbst das bisweilen für viele schon zu aufwändig erscheint…

Eine Freigabe für eine Veröffentlichung schließt darüber hinaus noch kein Bearbeitungsrecht ein – um ein Bild zu verändern, muss eine eigene Einverständniserklärung eingeholt werden.

Ebenso muss der Persönlichkeitsschutz beachtet werden – schließlich liegen die Rechte eines Bildes nicht immer nur allein bei der oder dem Fotografierenden, sondern auch bei den abgebildeten Personen. Wird jedoch ein Foto im öffentlichen Raum geschossen, darauf ist keine kompromittierende Situation ersichtlich und der Text, den man dazu verfasst, ist nicht beleidigend, sollte einer Publikation nichts im Wege stehen.

Wenn nun tatsächlich ein Brief vom Anwalt ins Haus flattert, gilt es zunächst abzuklären, ob man die Rechte wirklich nicht innehat und stets höflich und sachlich sowie mit Fingerspitzengefühl zu reagieren. Idealerweise holt man sich im Vorfeld juristischen Beistand und sollten die nötigen Lizenzen nicht vorhanden sein, erklärt man sich am Besten bereit, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben, die Bilder/Inhalte sofort offline zu nehmen (auch bei Facebook, Twitter, etc.) und hofft mit einem blauen Auge davongekommen zu sein und nicht gleich hohe Geldsummen überweisen zu müssen.

Wer sein YouTube-Video mit Musik unterlegen möchte, sollte sich genau überlegen, mit welchen Klängen: Denn auch hier sind Tantiemen zu zahlen – selbst, wenn man ein Lied einfach nur nachsingt.

Für private Blogs gilt die Impressumspflicht: Anzuführen sind der echte Name, Anschrift, Telefon oder Telefax, UID-Nummer wenn vorhanden, E-Mail sowie die grundlegende inhaltliche Richtung, wie beispielsweise „die Förderung der Anziehkultur in Österreich“. Benutzt man Services wie Google Analytics, Cookies oder den Facebook-Like-Button muss dies ebenso angeführt werden, denn hiermit werden Daten sämtlicher Besuchender gesammelt und verarbeitet.

Seit Beginn dieses Jahres gibt es in Österreich eine Steuer auf sämtliche Gewinnspiele. Dabei müssen  5% an Wert der ausgespielten Ware abgegeben werden. Allerdings wird dies zum Glück für die meisten Blogs nicht zum Tragen kommen, da wir in den meisten Fällen wohl unter die Bagatellgrenze von 500 Euro pro Gewinnspiel fallen werden.
Bei den Teilnahmebedingungen zu Gewinnspielen muss klar und transparent angegeben sein, wer daran wie teilnehmen kann.

Hat man über sein eigenes Blog Einkünfte, etwa über Advertorials oder Affiliate-Programme, müssen diese versteuert werden – bei Angestellten ab einer Zusatzverdienstgrenze von 730 Euro pro Jahr. Ausgaben können dann im Gegenzug ebenso abgesetzt werden, wie beispielsweise Serverkosten, Einkauf von Bildrechten und vieles mehr. Bedauerlicherweise lassen sich neu geshoppte Kleidungsstücke allerdings selbst für ModebloggerInnen nicht absetzen.

Session 2: Cybermobbing
Fortgesetzt wurde mit einer Diskussionsrunde, geleitet von Jasmin Arensmeier (Tea & Twigs) zum Thema Cybermobbing, Trolling und Flaming. Die meisten Menschen im Publikum waren BloggerInnen beziehungsweise publizieren ihre Inhalte auf anderen Kanälen online. Und bis auf zwei glückliche Anwesende, hatten alle bereits Kontakt mit Menschen, die die Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und Beleidigung beziehungsweise Kritik und Hass nicht wirklich ziehen können. Dieses Phänomen der ausgelebten Bösartigkeit wird noch unterstützt durch die vermeintliche Anonymität der beleidigenden Kommentierenden. Auch wenn diese natürlich nicht wirklich gegeben ist – Stichwort IP-Adresse.

Ich persönlich hatte bisher das Glück – bis auf einen einzelnen verirrten Kommentar – von diesen seltsamen Wortspenden verschont zu bleiben. Wohl deswegen, weil ich selbst kaum auf Bildern in meinem Blog auftauche und die verbalen Untergriffe sich einfallsreicherweise fast immer auf das äußere Erscheingsbild reduzieren. Präsentiert man sich selbst, bietet man dementsprechend mehr Angriffsfläche.

Die trollende Einzelerscheinung auf meinem Blog habe ich belustigt gelöscht. Die Meinung darüber, ob dies der beste Weg war, war innerhalb der Diskutierenden gespalten: So kam die Wortspende, dass schon vorhandene, beleidigende Kommentare erst Tür und Tor öffnen und andere sich dann ebenso bemüßigt fühlen. Im Gegenzug jedoch könnten diejenigen, die gelöscht werden, aber umso mehr aufgestachelt werden, nun noch massiver zu kommentieren. Absolut einig war man sich aber über Folgendes: Diese Damen und Herren sind keiner Antwort oder Wortspende wert, sondern einfach nur zu ignorieren.

Session 3: From Blog to Brand
„Was braucht es, um vom Blog zu einer Marke zu werden? Ist dies das maßgebliche Ziel für etablierte BloggerInnen?“ wollten Lukas und Stefan von Stylish Kids In Riot die deutschen Modebloggerinnen Anna Frost alias Daniela Send (fashionpuppe.com) und Kathrin Wittich (kathrynsky) fragen. Haben Sie dann bedauerlicherweise nicht wirklich gemacht, aber man konnte dennoch einiges Wissenswertes aus der Podiumsdiskussion mitnehmen. Denn schließlich veröffentlichen die beiden bereits seit 2007 bezahlte Postings auf ihren Blogs und Frau Frost kann mittlerweise sogar von ihren diversen Online-Einkünften leben. Begonnen hat sie diese Selbstständigkeit mit starker Eigeninitiative und ging von sich aus auf Agenturen mit Ideen für eventuelle Kooperationen zu. Heute hat sich dieses Verhältnis gedreht aber dennoch nimmt sie nur Angebote an, mit denen sie sich identifiziert um für ihre zahlreichen Leserinnen und Leser  authentisch zu bleiben.

Kathrin gibt den Rat, sich „bewusst zu machen, was Dein Blog kann“ und empfiehlt Professionalität auf beiden Seiten: Blogs als auch eventuelle Werbekunden und Marketing-Agenturen. Nur so kann eine zielführende Begegnung auf Augenhöhe herauskommen, wovon alle profitieren. Auf Blogseite hieße dies: Professionalität in Gestaltung, Content und Verhalten.

In den meisten Fällen aber werden sich Blogs wohl nicht zu eigenen Brands entwickeln, dafür jedoch oftmals – wie ich aus eigener Erfahrung weiß – den Schritt in ein neues Berufsleben ebnen.

Session 4: Unternehmen und ihr Umgang mit Social Media
Julia Basagic (fanfarella.at) interviewte Jette Farwick (Dealhunter für eBay), Sabine Kolby (The Fashion Squad für Humanic) und Heiko Hebig (Burda) zum Thema, was Unternehmen von BloggerInnen erwarten. Ich hätte mir zugegebenermaßen bei der Überschrift etwas anderes erwartet, da ich persönlich die Einstellung vertrete, Unternehmen möchten etwas von mir und nicht umgekehrt: Werbung, Verlinkung, meine Leserschaft – und diese gebe ich nur preis, wenn ich dem jeweiligen Produkt etwas Positives abgewinnen kann.

Aber ich erfahre immerhin aus dem Munde Heiko Hebigs die frohe Botschaft, dass man ab 100.000 Visits/Monat schon gut verdienen kann und hierzu am besten gleich mit einem Media Kit aufwarten soll, welches die Visits und/oder Unique User und nicht die Page Impressions sowie meine Zielgruppe beinhalten sollte.

Ein sehr sympathisches Bild vermittelt Dealhunter nicht nur online sondern auch in persona offline: Es gibt viele Kooperationen mit Blogs, eine etablierte Bloggerin sowie deren Wissen und Kontakte wurden an Bord geholt und es wird stets offen und ehrlich sowie auf einer sehr persönlichen Ebene kommuniziert – was will man mehr?

Session 5: Wien als Modestadt?
Daniel Kalt (Tageszeitung Die Presse und ParisVienne.com) spricht mit vier Wiener Modeveranstalterinnen über die Positionierung der heimischen Modeszene. Die Teilnehmerinnen sind Maria Oberfrank (MQ Vienna Fashion Week), Cloed Baumgartner (Modepalast), Marlene Agreiter (Kooperationsbörse) und Marjan Firouz (Vienna Awards).

Verstärkte Aufmerksamkeit für heimische Modeschaffende – das ist das erklärte Ziel aller Organisatorinnen, denn wie Daniel gleich zu Beginn zitiert: „Mode braucht Publikum“.

Darüber hinaus wünscht sich Cloed eine mögliche Produktion im Inland, denn in Österreich gibt es kaum mehr produzierendes Handwerk und die Möglichkeiten zur Ausbildung in modischen Bereichen verengen sich dank Schließungen von Studiengängen (siehe: Modeschule Hetzendorf stellt Bachelorstudium ein).
Marjan sieht vor allem Schwächen in den noch vorhandenen Ausbildunsmöglichkeiten: Hierin wird nicht das nötige wirtschaftliche Werkzeug mitgegeben und Kreative haben dementsprechend zu wenig Ahnung von PR sowie Marketing und werden daher ihre Kreationen nur schwer an ein breites Publikum heranführen können.

Die heimische Modeförderung läuft nun ebenso hauptsächlich über die Kunst- und Kulturschiene und landet laut Mark vom Label Mark & Julia oft nur bei Labels, die es ohnehin schon seit Jahren gibt und nicht bei JunggdesignerInnen, welche diesselbe vielleicht nötiger brauchen würden.

Maria ist der Überzeugung, je mehr Veranstaltungen es gibt, desto mehr Interesse und Publikum kann generiert werden. Und präsentiert daher eine schöne Aussicht auf das kommende Jahr: 2012 erwartet uns der „Summer of Fashion“ im Wiener Museumsquartier und sämtlichen darin befindlichen Einzelorganisationen, wobei österreichische Mode und Kunst über Ausstellungen und Veranstaltungen auch ins Ausland transportiert werden sollen.

Auf eine Denkanregung von Moriz Pfiffl aus dem Publikum, vielleicht einmal alle miteinander zu agieren für noch stärker gebündelte Aufmerksamkeit, wurde leider nicht eingegangen.

Und wer bis hier lese-technisch durchgehalten hat, wird zum Abschluss mit ein paar weiteren Impressionen belohnt: